Trockenmittel sollten unter realen Bedingungen getestet werden

In diesem Beitrag aus unserer Rubrik Einblicke erklären wir, warum es so wichtig ist, die Leistung von Trockenmitteln unter realen Bedingungen zu testen. In unserem vorherigen Beitrag (Ein Leitfaden für die Leistungsprüfung verschiedener Trockenmittel) gehen wir auf weitere Aspekte ein, die es zu berücksichtigen gilt. Die Lektüre lohnt sich, wenn Sie sich einen klareren Überblick darüber verschaffen möchten, worauf Sie bei der Wahl Ihres Feuchtigkeitsschutzes achten sollten.

Was real ist und was nicht

Ihre Sendungen sind völlig anderen Bedingungen ausgesetzt als in einer Klimakammer. So wird zum Beispiel die relative Luftfeuchtigkeit in einer Klimakammer während des Tests oft auf einen konstanten Wert eingestellt. Dadurch steht mehr Feuchtigkeit zur Verfügung, sodass die Trockenmittel unglaublich hohe Absorptionsraten erreichen. Werte um 400 % und sogar bis zu 600 % sind keine Seltenheit.

Fantastisch, keine Frage. Aber es ist nicht real, denn diese Absorptionswerte lassen sich bei einem echten Transport nicht erreichen. Daraus ergibt sich ein Problem, bei dem es letztlich darum geht, wie sich diese Trockenmittel in der Realität tatsächlich verhalten. Und genau das müssen Sie wissen, um sicherzustellen, dass Ihre Sendungen gut geschützt sind.

Wer sich auf in der Klimakammer gemessene Absorptionsraten verlässt, riskiert Probleme. Sehen wir uns genauer an, warum.

Ergebnisse aus Klimakammertests können Sie in die Irre führen

Wenn ein Klimakammerergebnis zur Dimensionierung von Trockenmitteln herangezogen wird, ist Ihre Ladung unter Umständen deutlich unzureichend geschützt. Ein Beispiel macht das deutlicher:

Ein Unternehmen warb damit, dass seine Trockenmittel unter Klimakammerbedingungen eine Absorptionsrate von 400 % erreichen. Sie suchen nach einem Feuchtigkeitsschutz. Um Ihren Bedarf an Feuchtigkeitsabsorption zu ermitteln, haben Sie ein Audit durchgeführt. Das Ergebnis: In Ihrem Container müssen 10 Liter Wasser absorbiert werden, um die Feuchtigkeit auf einem unbedenklichen Niveau zu halten.

Ausgehend von der unter Klimakammerbedingungen erreichten Absorptionsrate berechnen Sie, dass 2,5 kg Trockenmittel Ihre Sendung schützen.

Doch die Absorptionsrate unter realen Bedingungen ist eine andere. Tatsächlich benötigen Sie 5 kg Trockenmittel, um die Feuchtigkeit auf einem sicheren Niveau zu halten und Ihre Ladung gut zu schützen.

Wenn Sie die benötigte Trockenmittelmenge auf Basis der unter Klimakammerbedingungen erreichten Absorptionsrate dimensionieren, ist Ihre Ladung unzureichend geschützt.

Ein Klimakammertest lässt sich damit vergleichen, den Kraftstoffverbrauch eines Autos bei einer Bergabfahrt zu messen. Das Ergebnis sieht verlockend aus. Mit normalem Fahren ist es aber nicht vergleichbar.

Andere Bedingungen, andere Ergebnisse

Trockenmittel werden oft mit hohen Leistungswerten beworben, die in Klimakammertests erzielt wurden. Ein Problem dabei: Es gibt keinen Konsens über die Werte der Testparameter, und die Hersteller geben nicht immer die Testbedingungen an (Dauer, Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit).

Manchmal werden die Klimatests von Dritten durchgeführt. Trockenmittelhersteller sprechen dann oft von einer SGS-Zulassung oder SGS-Prüfung. SGS ist eines von vielen unabhängigen Prüfinstituten. Eine Zertifizierung durch Dritte ist gut, denn sie macht die Ergebnisse zuverlässig. Das Problem der Leistungsunterschiede zwischen realen Bedingungen und Klimakammerbedingungen bleibt jedoch bestehen.

Trockenmittelleistung in einem Kurzzeittest

Wenn Sie einen Trockenmitteltest aufsetzen, sollte die Testdauer der Dauer Ihres tatsächlichen Transports entsprechen. Wichtig ist, von der Beladung bis zur Entladung zu messen. Ein kürzerer Testzeitraum zeigt nicht die tatsächliche Kapazität von Calciumchlorid-Trockenmitteln.

Tatsächlich verhalten sich verschiedene Trockenmittelarten im Zeitverlauf unterschiedlich. 2019 haben wir einen 30-tägigen Kurzzeittest mit verschiedenen Trockenmittelarten in einer Klimakammer durchgeführt.

Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Silicagel weist im Zeitverlauf eine sehr konstante Absorption auf.
  • Bei Calciumchlorid nimmt die Absorption im Zeitverlauf zu.
  • Ton zeigt ein gemischtes Verhalten, liegt aber näher an den Ergebnissen von Silicagel.

Absorptionskapazität im Zeitverlauf

(Klimakammertest: 30 °C, 90 % RH, 30 Tage)

Diagramm der Absorptionskapazität verschiedener Trockenmittel im Zeitverlauf in einer Klimakammer

Dieses Diagramm zeigt, wie wichtig es ist, einen Test über die gesamte Dauer eines Transports durchzuführen. Trockenmittel auf Basis von Calciumchlorid weisen im Zeitverlauf eine starke, kontinuierliche Absorption auf.

Zusammengefasst: Verlassen Sie sich bei der Berechnung der Trockenmittelmenge, die Sie zum Schutz Ihrer Sendungen benötigen, nicht auf Klimakammertests. Testen Sie stattdessen unter realen Bedingungen und vermeiden Sie einen unzureichenden Schutz, durch den Sie Ihre Sendungen dem Risiko von Feuchtigkeitsschäden aussetzen.

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