Ein Stapel Kunststoffpaletten, aufgeschichtet vor der weißen Wand eines Industrielagergebäudes.

Verpackungen neu denken: Was passiert, wenn Unternehmen von Kunststoff auf faserbasierte oder hölzerne Alternativen umsteigen

In ganz Europa stehen Verpackungsingenieure, Einkaufsleiter und Nachhaltigkeitsbeauftragte unter dem Druck, ihre Verpackungsportfolios im Vorfeld der neuen EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) neu zu gestalten. Viele Unternehmen reagieren darauf, indem sie Kunststoff durch faserbasierte Alternativen wie Papier, Karton und Faserformteile ersetzen oder für Kisten und Paletten wieder auf Holz zurückgreifen.

Die Absicht ist richtig: Recyclingfähigkeit und Wiederverwendung verbessern, Einwegkunststoffe reduzieren und die Anforderungen von Artikel 6 und Artikel 7 erfüllen. Die unbeabsichtigte Folge wird jedoch häufig übersehen. Faser und Holz interagieren mit Feuchtigkeit auf grundlegend andere Weise als Kunststoff, und ein gut gemeinter Materialwechsel kann unbemerkt neue Risiken in die Lieferkette einbringen.

Dieser Artikel beleuchtet diese Feuchtedynamik und benennt die Fragen, die jede PPWR-bedingte Neugestaltung leiten sollten.

Warum die PPWR die Wahl der Verpackungsmaterialien verändert

Die PPWR hat ehrgeizige Ziele für den europäischen Markt gesetzt. Laut der Europäischen Kommission müssen alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Verpackungen bis 2030 recyclingfähig sein, und die Recyclingquoten müssen bis 2030 70 % erreichen. Artikel 6 führt Kriterien für ein recyclinggerechtes Design (DfR) ein, während Artikel 7 Mindestschwellen für den Rezyklatanteil speziell für Kunststoffverpackungen festlegt. Aktuelle Leitlinien der Kommission haben zudem präzisiert, wie die Leistungsklassen für die Recyclingfähigkeit angewendet werden.

Die kombinierte Wirkung ist ein starker regulatorischer Druck hin zu einfacheren, besser recyclingfähigen Formaten, der drei Substitutionsmuster vorantreibt:

  • Kunststoffkisten und -trays werden durch Wellpappe oder Faserformteile ersetzt.
  • Kunststoffpaletten werden durch Holzpaletten ersetzt.
  • Mehrschichtige Kunststofffolien (zum Beispiel EVOH kombiniert mit PP) werden durch Monomaterial-Kunststoffe oder faserbasierte Alternativen ersetzt.

Jeder Schritt kann die Recyclingfähigkeitsbewertung verbessern. Jeder verändert zugleich, wie sich das Verpackungssystem bei Feuchtigkeit verhält.

Stapel von Holzkisten und Paletten in einem Lager.

Wie Faser und Holz anders mit Feuchtigkeit interagieren als Kunststoff

Mehrschichtige Kunststoffstrukturen wurden nur selten ausschließlich dafür konzipiert, ein Produkt zu umschließen. In vielen Kategorien wurden sie so konstruiert, dass sie als zertifizierte Feuchtigkeitsbarrieren, Sauerstoffbarrieren oder beides wirken. Ihr Schichtaufbau ist genau das, was ihnen ihre Leistung verleiht, und genau das, was sie als sortenreinen Stoffstrom schwer recycelbar macht.

Faserbasierte Materialien verhalten sich ganz anders.

Papier, Karton und Faserformteile sind hygroskopisch und nehmen Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und geben sie wieder ab. Branchenforschung hebt durchgängig hervor, dass faserbasierte Verpackungen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen bei der Barriereleistung stehen, insbesondere gegenüber Wasserdampf. Mit steigender Luftfeuchtigkeit nimmt Faserverpackung an Gewicht zu, verliert an Steifigkeit und kann eine verringerte Druckfestigkeit aufweisen, mit messbarer Verschlechterung der Stapelintegrität in palettierten Lieferketten.

Holz ist zwar strukturell robust, reagiert aber dimensionsempfindlich auf Feuchtigkeit. Holzkisten und -paletten schrumpfen und quellen mit Änderungen der Umgebungsfeuchte, und sie geben Feuchtigkeit in geschlossene Umgebungen wie Versandcontainer ab. Eine bei hoher Umgebungsfeuchte beladene Palette trägt ein erhebliches Feuchtigkeitsreservoir, das später bei Temperaturschwankungen während des Transports auf der Ware kondensieren kann.

Der Wechsel von Kunststoff zu Faser oder Holz ist daher kein gleichwertiger Austausch. Es ist eine Veränderung der Feuchtephysik des gesamten Verpackungssystems.

Der Trend zur Recyclingfaser und seine verborgenen Zielkonflikte

Eine wichtige Nuance, die in Neugestaltungsdiskussionen oft übersehen wird, ist der steigende Anteil von Recyclingfasern in den Lieferketten für Karton. Die PPWR legt für Papier oder Faser keine Ziele für den Rezyklatanteil fest, wie es Artikel 7 für Kunststoff tut. Der zunehmende Anteil an Recyclingfasern ist weitgehend ein marktgetriebener Trend, der von Nachhaltigkeitsverpflichtungen, der Rohstoffökonomie und den Erwartungen der Kunden geprägt wird.

Die technische Implikation ist real. Studien zum Recycling von Kartonverpackungen weisen darauf hin, dass Recyclingfasern in der Regel kürzer und poröser sind als Frischfasern (Virgin Fiber Recycled Fiber), was Folgendes bewirken kann:

  • Geringere Stapel- und Druckfestigkeit.
  • Höhere Feuchtigkeitsaufnahme unter feuchten Bedingungen.
  • Schnellerer Verlust der mechanischen Leistung nach Kontakt mit Wasserdampf.

Für einen Verpackungsingenieur, der einen Wechsel zu einem höheren Recyclingfaseranteil prüft, lautet die entscheidende Frage nicht einfach, ob das Material als recyclingfähig gilt, sondern wie es sich über den gesamten Weg von der Produktionslinie bis zum Endkunden verhält.

Recyclingkartonverpackung mit aufgedruckten Nachhaltigkeitssymbolen und einer Botschaft, dass sie aus 100 % recycelbarem Papier besteht.

Wenn die Kunststoff-Feuchtigkeitsbarriere verschwindet – was tritt an ihre Stelle?

Mehrschichtige Kunststofffolien lieferten in vielen Produktkategorien eine ausgezeichnete Feuchtigkeitsbarriere. Wenn die DfR-Kriterien hin zu Monomaterial-Strukturen oder faserbasierten Alternativen drängen, wird diese integrierte Barriere in der Regel reduziert oder entfernt. Forschung der Universität Aalto zur Barriereleistung faserbasierter Verpackungen unterstreicht, dass das Erreichen eines vergleichbaren Feuchtigkeitsschutzes bei Faseralternativen weiterhin ein aktives Feld der Materialentwicklung ist.

Dies ist die Frage, die im Mittelpunkt jeder PPWR-bedingten Neugestaltung stehen sollte: Wenn eine Kunststoff-Feuchtigkeitsbarriere entfernt wird, was tritt an ihre Stelle?

In manchen Fällen können Beschichtungen oder funktionale Schichten einen Teil der verlorenen Leistung wiederherstellen. In anderen liegt die Antwort außerhalb der Primärverpackung selbst, in einem sekundären Schutz wie Trockenmitteln, Linern oder einer kontrollierten Luftfeuchtigkeit beim Verpacken und Lagern. Die Antwort lautet selten „nichts“, auch wenn das Fehlen eines ausdrücklichen Ersatzes in frühen Phasen der Neugestaltung ein häufiges Muster ist.

Feuchtigkeit in der Lieferkette: die Variablen, die das Risiko verstärken

Das Feuchterisiko in internationalen Lieferketten wird von mehreren Hauptvariablen bestimmt, und der Materialwechsel wechselwirkt mit jeder von ihnen:

  • Klima bei der Beladung. Das Klima am Beladeort beeinflusst die im Container eingeschlossene Luft sowie die Feuchtigkeit, die bereits in den Waren, der Faserverpackung und den Holzpaletten vorhanden ist, die vor der Beladung in diesem Klima gelagert wurden.
  • Auslastung der Beladung und freier Luftraum. Nicht belegter Luftraum beeinflusst, wie der Container „atmet“ und wie sich die interne Feuchtedynamik während des Transports entwickelt.
  • Reisedauer und Routenführung. Längere Seereisen führen in der Regel durch verschiedene Klimazonen, und diese Temperaturübergänge verstärken das Feuchterisiko weit über die bloße Wirkung einer längeren Zeit auf See hinaus.
  • Platzierung des Containers auf dem Schiff. Über oder unter Deck sowie die Exposition innerhalb des Stapels beeinflussen Temperaturschwankungen und Kondensationsverhalten.
  • Hygroskopische Last der Verpackungsmaterialien. Faser- und Holzkomponenten fügen dem System zusätzlich zur Ware selbst ihren eigenen Feuchtigkeitsbestand hinzu.

Wenn Kunststoffverpackungen gegen Faser oder Holz ausgetauscht werden, werden mehrere dieser Variablen gleichzeitig verstärkt. Eine Neugestaltung, die auf dem Papier konform aussieht, kann sich auf einer 40-tägigen Reise durch mehrere Klimazonen ganz anders verhalten.

Fragen, die man bei einer PPWR-bedingten Neugestaltung stellen sollte

Statt eine einzige Antwort vorzugeben, beginnt eine umfassende Präventionsstrategie mit den richtigen Fragen:

  1. Wenn das neue Material Feuchtigkeit aufnimmt: Wurde die Auswirkung auf Stapel- und Druckfestigkeit unter realistischen Feuchtigkeitsbedingungen getestet?
  2. Wenn die bisherige Struktur eine Feuchtigkeitsbarriere enthielt: Was übernimmt diese Funktion nun im neu gestalteten System?
  3. Wie wirkt sich die Änderung des Recyclingfaseranteils auf die Leistung auf den anspruchsvollsten Routen aus – nicht nur bei der durchschnittlichen Sendung?
  4. Wurde der Feuchtigkeitsbestand neuer Holzpaletten oder Faserkisten bei der Planung der Trockenmittelkapazität im Container berücksichtigt?
  5. Werden bei Trockenfrachtsendungen die Containerlüftungen versiegelt und ist die Trockenmittellösung auf eine realistische, konservative Absorptionskapazität ausgelegt statt auf die Angaben zur maximalen Absorptionskapazität?
  6. Was zeigt ein direkter Vergleichstest der Feuchtigkeitsleistung der alten und der neuen Verpackung nach einer repräsentativen Reise?

Diese Fragen sind bewusst als Teil des Neugestaltungsprozesses formuliert und nicht als Einwände dagegen. Die Richtung der PPWR ist klar und notwendig. Ziel ist es sicherzustellen, dass Gewinne bei der Recyclingfähigkeit nicht durch Qualitätsverluste weiter unten in der Lieferkette zunichtegemacht werden.

Trockenmittel im PPWR-Kontext: Gewicht und Kapazität

Wo innerhalb eines Containers Feuchtigkeitsschutz erforderlich ist, wird die Wahl des Trockenmittels Teil des umfassenderen Compliance-Bildes. Artikel 10 der PPWR befasst sich mit der Minimierung von Verpackungen, und Gewichtseffizienz wird beim sekundären Schutz zunehmend relevant.

Hochleistungsfähige Trockenmittel auf Basis von Calciumchlorid bieten eine höhere Absorptionskapazität pro Gewichtseinheit als leistungsschwache Trockenmittel wie Ton und Silikagel und eignen sich daher gut für gewichtssensible Anwendungen, ohne den Feuchtigkeitsschutz zu beeinträchtigen.

Zwei praktische Punkte verdienen Betonung. Erstens sollte die Dimensionierung auf einer konservativen Absorptionskapazität beruhen – etwa 150 % bei Calciumchlorid-Lösungen – statt auf dem oberen Spezifikationswert, um sichere Bedingungen bei realen Sendungen zu gewährleisten.

Zweitens ist bei Trockenfracht das Versiegeln der Containerlüftungen während der Beladung eine grundlegende Empfehlung, auch in jedem AbsorTest™- oder Validierungsverfahren, damit der installierte Schutz wie vorgesehen funktioniert.

Tests als unverzichtbarer Schritt der Neugestaltung

Die Prüfung der Feuchtigkeitsleistung ist ein zentraler Bestandteil guter Praxis bei der Verpackungsneugestaltung, kein optionales Extra. Die aktuelle Auslegung des Rahmens der PPWR für recyclinggerechtes Design belohnt die Materialvereinfachung, doch die Verordnung entbindet die Hersteller nicht von ihrer Pflicht, Produkte in einwandfreiem Zustand zu liefern.

Feldtests, Klimakammersimulationen und strukturierte Validierung liefern den Nachweis, dass ein neues faser- oder holzbasiertes System unter denselben Bedingungen funktioniert wie das Kunststoffformat, das es ersetzt.

Absortech arbeitet mit Unternehmen zusammen, die genau diese Übergänge bewältigen, und stützt sich dabei auf jahrzehntelange Erfahrung mit feuchtigkeitsempfindlichen Verpackungen und maßgeschneidertem Schutz. Wo Neugestaltungen die Feuchtedynamik einer Lieferkette verändern, tragen fachkundige Beratung und strukturierte Umsetzung dazu bei, dass Recyclingfähigkeit und Produktintegrität gemeinsam vorankommen.

Mit Zuversicht vorangehen

Die PPWR verändert die Verpackungslandschaft, und der Wechsel von Kunststoff zu faserbasierten Verpackungen oder Holz ist in vielen Fällen die richtige strategische Richtung. Das Risiko liegt nicht in der Verordnung selbst, sondern darin, den Materialwechsel als eindimensionale Veränderung zu behandeln.

Das Feuchteverhalten faserbasierter Verpackungen, das Feuchterisiko von Holzverpackungen und die umfassenderen Herausforderungen recyclingfähiger Verpackungen im Rahmen der PPWR verdienen dieselbe ingenieurtechnische Sorgfalt, die auf die Kunststoffsysteme angewandt wurde, die sie ersetzen.

Organisationen, die ihren nächsten Neugestaltungszyklus vorbereiten, sind aufgefordert, die Feuchtigkeitsexposition zu kartieren, neue Verpackungen durch realistische Tests zu validieren und den sekundären Schutz entsprechend zu gestalten.

Für maßgeschneiderte Schutzstrategien und fachkundige Beratung während dieses Übergangs steht das Team von Absortech zur Verfügung, um konkrete Projekte über das Kontaktformular zu besprechen, und der Newsletter von Absortech bietet fortlaufende Einblicke in innovative Feuchtigkeitskontrolle, während die Umsetzung der PPWR voranschreitet.

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